„Das Ende des Kommunismus war nicht friedlich“

Zeitzeuge Thomas Lukow bei der CDU

Blickten gemeinsam auf das Unrechtsregime der DDR und 30 Jahre deutsche Einheit zurück: CDU-Ehrenvorsitzender Hubert Deittert und Referent Thomas Lukow (v.l.).
Blickten gemeinsam auf das Unrechtsregime der DDR und 30 Jahre deutsche Einheit zurück: CDU-Ehrenvorsitzender Hubert Deittert und Referent Thomas Lukow (v.l.).

Am Vorabend des 30. Jahrestags des Mauerfalls hatte die CDU einen Zeitzeugen des DDR-Regimes eingeladen. Der Referent Thomas Lukow ist selbst Opfer der SED-Herrschaft und arbeitete später als Mitarbeiter im Bundeskanzleramt und im Stasi-Museum sowie aktuell neben der politischen Bildungsarbeit als Stadtführer in Berlin und Bautzen. Dort war er als junger Mann wegen des Verdachts der versuchten Republikflucht 20 Monate als politischer Häftling in dem berüchtigten Gefängnis Bautzen II inhaftiert.

Moderiert wurde der Abend von Hubert Deittert, dem Ehrenvorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Gütersloh. Deittert war von 1994 bis 2009 Bundestagsabgeordneter. In dieser Funktion hat er den Einigungsprozess aktiv mitgestaltet. Als Mitglied des Petitionsausschusses des Bundestags seien ihm dabei auch die Schattenseiten der Wendejahre nicht verborgen geblieben, dennoch: „Der Fall der Mauer 1989 ist eine Sternstunde der deutschen Geschichte, die wir dem Mut der DDR-Bürger zu verdanken haben“, so Deittert. Der Rietberger hob auch die historische Leistung Helmut Kohls hervor, dem es gelungen sei, eine halbe Millionen Soldaten der sowjetischen Besatzungsmacht zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen, ohne dass ein einziger Schuss gefallen ist.

Lukow betonte in seinem Vortrag, dass er den Begriff der „friedlichen Revolution“ nicht für zutreffend halte. „In Polen, wo der Untergang des Kommunismus seinen Anfang genommen hat, gab es viele Todesopfer während der Streik- und Revolutionszeit“, erklärte Lukow. „Und auch in der DDR, wo alles friedlicher abgelaufen ist, haben viele Bürgerrechtler die Gefahr langer Haftstrafen in Kauf genommen.“ Lukow prangerte die Praxis der DDR an, Regimegegner zur Beschaffung von Devisen an die Bundesrepublik zu verkaufen. „Im Laufe ihrer vierzigjährigen Geschichte hat die DDR so mit 33.000 Menschen 3,3 Milliarde DM erwirtschaftet.“ Einen Fehler im Wendeprozess sieht er auch darin, dass viele der Stasi-Täter heute wieder im öffentlichen Dienst arbeiten. Von elementarer Bedeutung für den Untergang des Kommunismus hält Lukow die Rolle des polnischen Papstes Johannes Paul II. Auch der von Franz-Josef Strauß vermittelte Milliardenkredit sei wegen der von Strauß damit verknüpften Bedingungen und deren destabilisierender Wirkung nicht zu unterschätzen.

Am Beispiel der Stadt Bautzen zeigte Lukow auch die Erfolge der deutschen Einheit. Nach dem Wiederaufbau und umfassenden Renovierungen zähle Bautzen heute zu den sprichwörtlichen blühenden Landschaften in Ostdeutschland. Besonders freut Lukow, dass aus der einstigen eigenen Gefängnisstadt ein attraktives Touristenziel geworden ist. In diesem Zusammenhang stellte er klar: „Helmut Kohl hat als Kanzler der Einheit die blühenden Landschaften nicht versprochen, er hat nur gesagt: Wenn wir alle die Ärmel hochkrempeln, können blühende Landschaften entstehen.“

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