Daniel Maasjosthusmann - Rückkehr ins zivile Leben

2011 war Daniel Maasjosthusmann als Soldat im Afghanistan-Einsatz – Nun absolviert er eine Ausbildung

Verl(WB). 45 Grad Hitze, keine Privatsphäre in Mannschaftszelten, die ständige Gefahr von Anschlägen: Die Erinnerungen an seinen Einsatz als Zeitsoldat in Afghanistan haben Daniel Maasjosthusmann verändert. »Man lernt viele Dinge in Deutschland zu schätzen«, sagt er. Derzeit bereitet sich der 27-Jährige auf sein Zivilleben als Verwaltungsfachangestellter vor.

Zwischen Februar und August 2011 nahm Daniel Maasjosthusmann an dem Afghanistan-Einsatz teil. Der Verler gehörte zur International Security Assistance Force (ISAF), der Internationalen Sicherheits-Unterstützungsgruppe, die mit dem sogenannten ISAF-Mandat bis Juni 2013 den politischen Wiederaufbau in dem Land begleitete.
»Stationiert war ich im Außenlager North, das im Internet und den Medien als ›Festung am Berg‹ bekannt ist«, sagt Maasjosthusmann. An seine Empfindungen im Lager erinnert er sich genau. »Es gab es einen Sprengstoffanschlag, bei dem ein Soldat getötet wurde«, sagt Maasjosthusmann. Getötet wurde der 23-jährige Oberstabsgefreite Alexej K. aus Bielefeld, der aus der Lipperland-Kaserne in Augustdorf kam. Auch Maasjosthusmann versah bis vor kurzem seinen Dienst in Augustdorf, als Mitglied des Panzergrenadier-Bataillons 212. 2007 hatte er sich zunächst für vier Jahre bei der Bundeswehr als Zeitsoldat verpflichtet. »Meine Aufgabe bei der Bundeswehr war die Verpflegung und Materialbeschaffung«, sagt Maasjosthusmann.
Dass sich der 27-Jährige anschließend erneut, und damit auch für den Afghanistan-Einsatz 2011, verpflichten würde, kam für die Familie überraschend. »Aber alle haben super reagiert und mir Rückhalt gegeben«, sagt Maasjosthusmann. Eine Überraschung war es dagegen für seine jetzige Ehefrau Stefanie (24). »Wir haben uns gerade einmal ein halbes Jahr vor meinem Afghanistan-Einsatz beim Schützenfest kennengelernt. Und dann musste ich ihr sagen: ›Ich gehe für ein halbes Jahr ins Ausland‹«, erinnert sich Maasjosthusmann. Vor allem die Kontakte in die Heimat haben dem jungen Soldaten Rückhalt gegeben. »Anfangs haben wir Briefe geschrieben, dann telefoniert und später per Skype gesprochen«, erläutert Maasjosthusmann.
An die Zeit im Außenlager, das im Raum Baghlan und somit im Dreieck zwischen Mazar-i-Sharif und Kundus liegt, erinnert sich Maasjosthusmann mit gemischten Gefühlen. »Wenn man das Blut am gesprengten Schützenpanzer sieht und weiß, was passiert ist, dann trifft es einen natürlich«, sagt Maasjosthusmann. Davon, dass der Bundeswehr-Einsatz gerechtfertigt war, musste er zunächst nicht überzeugt werden. Bis zum Rücktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg im März 2011 aufgrund der Doktortitel-Affäre. »Da hatte ich plötzlich Zweifel. Weil er derjenige war, der unser Lager besucht hatte. Und plötzlich tritt dein oberster Dienstherr zurück, das macht nachdenklich«, sagt Maasjosthusmann.
Dankbar ist er seinem Dienstherrn für die Weiterbildungsmöglichkeiten, die er in Augustdorf nutzen konnte. So absolvierte er einen Kursus mit insgesamt 650 Stunden, um kaufmännische Grundlagen zu lernen. Parallel zum Dienst bei der Bundeswehr schloss er im Januar 2014 die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten am Südwestfälischen Studieninstitut für Kommunale Verwaltung in Hagen ab. 2015 folgt der Verwaltungsfachwirt. »Dafür habe ich viel Freizeit und Urlaube geopfert, aber durch die Bundeswehr konnte ich die Ausbildung verkürzen, und dafür bin ich dankbar«, sagt der 27-Jährige, der sich zugleich als Ratsherr für die CDU in Verl engagiert.
Eines hat Maasjosthusmann ebenso aus der Zeit in Afghanistan mitgenommen: »Das ist der Zusammenhalt. Wenn es einem nicht gut ging, haben wir geredet. Das hat auch mir viel geholfen.«

Bildunterschrift:
Auf seinem I-Pad zeigt Daniel Maasjosthusmann (27) die Karte Afghanistans. Während seines Einsatzes zwischen Februar und August 2011 war der Verler in dem Außenlager »North« stationiert, das sich auf der Karte im grünen Bereich befand. Foto: Rajkumar Mukherjee



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